Allgemein, Kaliningradtörn 2016, Segeln
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Das schwere Schicksal von acht Scheiben Zwieback

Als wir aus der Danziger Hafenausfahrt heraus kommen, ist die Ostsee spiegelglatt. Man sieht keine Kräuselung, das Wasser liegt da wie ein Teppich aus flüssigem Blei. Mir gefällt das, ich kann unten sitzen und lesen ohne dass mir gleich das große Kotzen kommt.
Das einzige Manko ist nur, dass so wenig Wind ist, dass wir motoren müssen, aber auch das ändert sich mit der Zeit. Der Wind nimmt zu und wir haben eine nette Abendfahrt mit Segeln in den Sonnenuntergang und allem, was dazu gehört. Auch die Nacht ist ruhig und ich kann zwischen den Wachen erstaunlich gut schlafen. Bis um Sieben, meiner ersten Tagwache. Es regnet in Strömen und der Kurs ist hoch am Wind, gegen die Wellen. Genau wie ich es hasse. Nach zwei Stunden werde ich von Annette abgelöst und verziehe mich klitschnass nach unten, wo ich meine durchnässten Segelklamotten ablege und mich auf die Luvbank (die Bank die dem Wind zugewandt ist, also bei Lage oben ist, was den Nachteil hat, dass die Schwerkraft unablässig daran interessiert ist, einen von der Bank zu ziehen) lege und den Kampf gegen besagte Schwerkraft beginne, während ich versuche mich die nächsten vier Stunden bis zu meiner Wache auszuruhen. Peter, der auf der Leebank liegt, hat  dieses Problem nicht (kein Vorwurf).

4 Stunden später…

…ich setze mich auf. Meine Wache beginnt in zehn Minuten doch irgendwas ist nicht so, wie es sein sollte. Offensichtlich ist Kollege Kreislauf nicht damit einverstanden sich in die Vertikale zu begeben. Ich bleibe einen Moment sitzen, bevor ich ruhig aber zielsicher auf die Türchen nach draußen zu wanke und die acht Scheiben Zwieback mit Butter, die mein Frühstück darstellten, dem Plichtboden überlasse. Die Diagnose ist schnell gestellt: Ich bin seekrank.  Die nächsten Stunden verbringe ich weitgehend inaktiv, eingepackt in Peters Segelsachen, in der Plicht und schaue Annette dabei zu, wie sie meine Wache steuert, weil ich, nun ja, unbrauchbar bin.

Wie auch immer, ich bin jeden falls heilfroh, als wir in Ustka in einem kleinen Hafen anlegen, den es laut Hafenhandbuch überhaupt nicht gibt. Jetzt essen wir erstmal eine Pizza in der Stadt, morgen ist Strandtag und übermorgen ist noch echt weit weg.

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