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Baltijsk – Hel – ein Tuckertag

Mondaufgang über der Danziger Bucht

Um uns herum die reinste Puppenkistensee. Kein Wind. In der Ferne eine russisches Patrouillenboot, das träge seine Kreise zieht. Unser erstes Ziel auf der Rückreise ist Danzig. Danzig war unser Ziel muss korrekter Weise gesagt werden. Die Windverhältnisse sehen nicht so aus, dass wir heute zügig voran kommen. Der praktisch nicht vorhandene Wind kommt auch noch direkt von vorn.

Der Stadthafen von Danzig, in dem wir frühestens um Mitternacht ankommen könnten, soll zur Ferienzeit gut belegt sein. Und wenn wir dann keinen Platz finden? Daher ist das Ziel jetzt wieder Hel. Der Hafen mit dem geschäftstüchtigen Hafenmeister, der ganz genaue Vorstellungen hat wo man festmacht. Aber ansonsten sehr freundlich ist und sogar ein wenig deutsch spricht. Auf geschäftstüchtig komme ich, da wir auf der Hinreise auch in Hel angelegt hatten und der Hafenmeister trotz strömenden Regens sofort Kasse machen wollte.

Jetzt schwappen wir aber noch auf der glatten Ostsee rum. Dabei sah es heute morgen noch nach einem schönen Segeltag aus. Die Wetterprognosen hatten mäßige SW-Winde versprochen, was für die Danziger Bucht eine moderate Welle bedeutet. Tolle große Wellen, mit Schaumkronen und so hatten wir genug. Auch mal so ganz ohne Regen zu segeln wurde versprochen. Wir holen die Segel runter und unter Motor geht es dann auf direktem Kurs los.

Heute morgen sind wir mit dem Frühstück im Kaliningrader Yachtklub, parallel mit einer russischen Yacht, gestartet, die gleich über das Haff Richtung Baltijsk gesegelt ist. Wir sind lieber, so wie wir gekommen waren, unter Motor in den Seekanal gefahren. Zum einen wissen wir nicht ob und wie weit wir auf dem Haff segeln dürfen und zum anderen zeigt unsere Seekarte eine einheitliche Tiefe für das ganze Gebiet an, was uns ein wenig misstrauisch macht. In Erwartung der Ausreise sind wir angespannt und wollen nicht noch experimentieren.

Die anschließende Fahrt durch den Seekanal war für uns insofern spannend, als wir die Strecke bisher nur im Dunkeln gefahren sind und jetzt alles noch mal bei Tageslicht sehen konnten. Annette hat uns dann wieder brav bei Baltijsk Traffic angemeldet und das AIS haben wir angeschaltet, damit auch immer alle wissen wo wir sind. Im Seekanal hat sich dann noch eine weitere Yacht zu uns gesellt, oder besser gesagt hat uns überholt und ist vor uns davongedamft. In Baltijsk wurde es dann noch mal interessant. Auf den russischen Militärschiffen war großer Bahnhof, mit Antreten und Deckschrubben und so weiter. Als wir uns nährten, bekamen wir auch prompt Begleitung von einem kleinen Patrouillenboot, das jedoch unter Winken der Mannschaft nach 10 Minuten wieder abdreht. Wie wir dann Pier 81 zum Ausklarieren anfahren, sind bereits zwei russische Yachten vor uns da. Diese beiden Yachten sind die einzigen Segelboote, die wir im Kaliningrader Gebiet in Bewegung gesehen haben. Mehr als zwei Yachten passen beim besten Willen nicht an die, für Sportboote ausgelegte Pier. Innerlich hatte ich mich schon auf eine längere Wartezeit eingerichtet. Aber dann geht alles ganz schnell. Die eine Yacht legt ab. Die andere wird von den Zöllnern ganz nach vorne verholt. Wir werden rangewunken und die Zollabfertigung läuft in der gleichen freundlichen und entspannten Art und Weise ab, wie wir sie bei der Einreise erlebt haben. Die Pässe und Einklarierungspapiere werden eingesammelt und parallel gibt es eine kleine Bootsbesichtigung. Nach ca. 30 Minuten ist alles erledigt und unter lauter Doswidanja können wir den Hafen verlassen.

Jetzt tuckern wir also wieder vor uns hin. Wolken am Horizont versprechen immer mal wieder ein wenig Wind. Den einzigen Wind hatten wir direkt nach der Ausfahrt aus Baltijsk. Im Segel war noch das zweite Reff von der Herfahrt. Wir überlegten noch kurz erst mal das gereffte Segel und die Fock hochzuziehen, aber mutig wie wir nun mal sind, wurde gleich ausgerefft und die Genua gesetzt. Rith spurtete auch gleich mit 6 Knoten los. Zwanzig Minuten später standen wir dann mit schlappenden Segeln, ungläubig, dass es das gewesen sein soll. Nachdem wir in der Ruhe dem russischen Hafenfunk noch etwas gelauscht und nichts verstanden haben, also Motor an und ab. Dabei hatte ich mich schon gefreut, dass wir im gesamten Urlaub nur 20Liter Diesel benötigt haben.

Kurz vor unserer Anfahrt in Hel gab es noch einen spektakulären Mondaufgang über silbern glitzernder See. Der Hafenmeister erwartete uns schon und wies uns einen Platz zu. Kasse sofort. Im Hintergrund gab es ein Livekonzert einer polnischen Rockband. Während Annette den Zoll auf Kanal 10 über unsere Ankunft informierte, waren die Kollegen bereits auf dem Steg und kurz danach bei uns an Bord. Das Einklarieren wäre auch schnell erledigt gewesen, wenn die Passlesemaschine eine Funkverbindung zum Zentralrechner gehabt hätte. Ging erst nicht. Kannten wir aber schon vom Ausklarieren. Die Kolleginnen der beiden Herren die uns heute besuchen, hatten genau so lange probiert, sich geärgert und entschuldigt.

Morgen segeln wir dann ganz schnell nach Danzig.

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