Autor: peter

Die fast letzten Meilen

Vier Uhr früh, der Wecker klingelt. Es ist noch dunkel vor den kleinen Kajütfenstern, wo gerade mal ein Augenpaar raussehen kann. Wenn man wollte könnte man den Hafen Simrisham sehen, mit seinem langen Schwimmsteg für Gästeboote, an dem heute fast ausschließlich deutsche Segler liegen. Zu so früher Stunde gibt es schon reges Treiben. Taschenlampenkegel funzeln über den Steg. Gedämpfte Stimmen rufen sich was zu. Motoren starten und Boote legen ab. Die ersten sind bereits mitten in der Nacht gestartet. Grund der ganzen Hektik ist wieder einmal das Wetter. Seit zwei Wochen haben wir Südwind in variierenden Stärken mit Regen und Gewitter. Und gegen den gilt es nach Hause zu kommen. Je nach persönlicher Beurteilung der diversen Wettervorhersagen und den eigenen Strategien haben die Crews ihren eigenen besten Startzeitpunkt. Die Diskussion um die aktuelle Wetterlage und unseren Kurs füllt gefühlt einen guten Teil der Tage aus. Aber jetzt ist es so weit, für einen Tag gibt es Südwestwind, der nachher noch auf West drehen soll. Die Windstärke liegt mit 18 Knoten so im oberen Bereich den …

Als Fußgänger auf finnischen Autobahnen,

Seit Helsinki fahren wir durch die finnischen Schären. Alles ist super ausgetonnt. Es gibt die großen Fahrwege die von den Fähren und Frachtern genutzt werden und die vielen kleinen Wege zwischen den tausenden Inseln und Inselchen. Abgesehen von den Winddrehern ist es ein sehr gemächliches Gleiten ohne die Wellen, wie wir sie von der offenen Ostsee her kennen. Unser Finnland-Insel-Bild müssen wir ein wenig korrigieren. Wir waren der Annahme, dass mit zunehmender Entfernung zu den Städten die Gegend einsamer wird. Aber egal wo wir langfahren, finden wir an den Ufern der Inseln kleine und große Wochenendhäuer mit Steg und Boot und Sauna und Hotpot. In den Ankerbuchten ist es zum Teil schwierig an Land zu kommen, da ein Privatgrundstück neben dem anderen liegt. Und irgendwie hatten wir die Vorstellung, dass hier zwischen den Inseln, die absolute Ruhe herrschen müsste. Aber es ist anders. Bis spät in den Abend hört man immer von irgendwo her einen Bootsmotor. Beliebt sind auch Motorboote ohne Schalldämpfer. Man hört sie lange bevor und nachdem sie an einem vorbeigefahren sind. Die …

Blick ins Abendrot im Hafen von Tallinn mit großen und kleineren Schiffen im Gegenlicht

Tallinn

Der Motor dröhnt, das Vorsegel hängt schlaff vorm Mast herunter und es regnet seit heute Morgen, als wir abgelegt haben, um nach Helsinki überzusetzen. Und es gibt überall diese kleinen Fliegen, die sich lieber totquetschen lassen, als aus dem Weg zu fliegen oder am besten ganz abzuhauen. Und das trotz Regen. Gestern Abend sah die geplante Überfahrt von Tallinn noch viel besser aus. Der Wettervorhersage nach sollte es am Vormittag noch schönen Süd-Ost-Segelwind geben, der uns bei Sonne gemütlich nach Helsinki schieben würde. So um diese Zeit sollte es dann in Tallinn anfangen zu regnen, wir hätten schon die halbe Strecke geschafft und würden nur die dunklen Wolken am Horizont sehen, und denken „gut, dass wir jetzt nach Helsinki fahren“. Bei einem Sonnenwetter so schön wie an den letzten beiden Tagen, an denen wir auf unseren Klapprändern Tallinns viele verschiedene Stadtviertel erkundet haben. Angekommen waren wir Freitagabend am Ende eines schönen Segeltages, der in Lohusalu begann. Ein Zwischenhafen mit viel Natur drum herum. Hier kam wieder der Wunsch auf ein paar Tage länger zu bleiben …

Kirchenruine

Immer wieder Visby

Byxelkrog als Absprunghafen für die große Überfahrt sind wir aus rein praktischen Gründen angelaufen. Auch um nochmal Mails zu checken, Diesel nachfüllen – die Tanke ist gleich oben an der Straße, Wäsche waschen und dann mit dem angesagten halben Wind zwei Tage und Nächte bis Sareema durchzufahren. Guter Plan. Die Wettervoraussage zeigte, dass es bis Gotland noch etwas gegenan geht, dann aber in der Nacht der Wind nachlässt und wir, so ab Mittag wenn die Nordspitze von Gotland quer ab liegt, mit gutem Wind von der Seite bis an unser Etappenziel gelangen können. Später sollten wir aber nicht starten, da dann am Ziel der Wind auf Ost dreht, also genau von vorn kommt. Früh haben wir dann unsere Wäsche zusammengesucht und die Waschmaschine gefüttert. Gegen Mittag war alles sauber und nass. Der Trockner zuckte erst gar nicht, konnte dann aber vom etwas genervten Hafenmeister überredet werden sich zu bewegen. Der Erfolg nach einigen Stunden war leider nur mäßig. Wir haben unseren ganzen Kram dann über und unter Deck aufgehängt, in der Hoffnung bis zur Abfahrt …

Öland – die Königsinsel

Neben Gotland gibt es, so halb südwestlich versetzt, noch die Insel Öland. Auf dem Weg nach Lettland sind wir bereits die halbe Nacht an der Ostküste von Öland vorbei gesegelt, sodass uns die Insel schon ein wenig wie eine alte Bekannte vorkommt. An der Nordspitze gibt es eine kleine Bucht mit einem Hafen am Ende. Eventuell kann man hier auch ankern. Weitere Hafeninformationen haben wir nicht. Um Öland fahren wir wieder nach Seekarten aus Deutschland und diese haben nur eine ganz kleine Auswahl an Häfen im dazugehörigen Handbuch. Nabbellund, so heißt der Hafen, ist nicht mit dabei. Der Kartenmassstab ist jetzt wieder doppelt so groß wie bei den schwedischen Schärenkarten. Die Durchfahrt sieht auf der Karte auch super schmal aus, ist aber ausgetonnt. Wie wir bei den ersten Tonnen ankommen, ist alles sehr großzügig breit und die Tonnen stehen Spalier wie auf einer Landebahn die Lichter. Hier hätte ich auch eine Fähre rein bugsieren können, wenn ich eine Fähre fahren könnte. Der Hafen ist ein kleiner Fischreihafen mit ein paar Gästeplätzen und gegenüber den meisten …

Schärenkontrast – Gotland oder in Visby steppt der Bär

Leander ist, wie geplant, nach einer Woche wieder von Bord gegangen und nach Berlin zurückgeflogen. Wir verlassen wehmütig die Schären und wenden uns dem dritten großen Ziel der Reise zu – Gotland. Alle Jahre, die wir Richtung Osten auf der Ostsee unterwegs waren, wollte ich auch mal Gotland besuchen. Aufgrund der beschränkten Urlaubszeit war Gotland auf eigenem Kiel bisher nicht erreichbar. Diesmal klappt es, Gotland liegt voraus, die Windrichtung passt, kaum Welle, zum Nachmittag soll der Wind zunehmen bis Windstärke sechs. Für die gut 80 Seemeilen haben wir uns auf eine Nachtfahrt eingestellt und wollen erst am Morgen in den unbekannten Hafen einfahren. Gegen 9.00 Uhr zirkeln wir uns durch die letzten Steinhaufen der Außenschären und können wieder ohne permanentes Kartenstudium relaxt segeln. Anfangs noch mit Genua, dann wird der Wind stärker, Genua wird gegen Fock getauscht, bis auch noch ein Reff ins Großsegel gebunden werden muss. Nach und nach baut sich eine Welle auf, die von schräg hinten kommt, aber nicht bremst. So rauschen wir dann mit fünf bis sieben Knoten Visby entgegen. Die …

Bilderbuchsegeln in Büllerbü

Montag Morgen gegen vier Uhr, ich döse gerade im Halbschlaf meiner dreistündigen Freiwache, als Annette verkündet: „Ich sehe Land“. Voraus liegt „Öja“. Eine langgezogene Insel der äußeren schwedischen Schären, südlich von Stockholm. Der Blick auf die Karte zeigt ganz viele kleine Steine und ein paar, eher wenige, Seezeichen, die zum überwiegenden Teil aus Kardinalen bestehen. Ansonsten gibt es noch ein Leuchtfeuer und andere Landmarken. Die schwedischen Karten zum Schärengebiet, die wir auf unserem Umweg nach Riga in Karlskrona gekauft hatten, zeigen so viele kleine Punkte, dass ich keine Vorstellung habe, wie man hier, vielleicht noch mit viel Wind, Seegang  und schlechter Sicht, durchkommen kann, ohne an den einen oder anderen Stein zu stoßen. Auch hier gilt Annettes Regel aus dem Straßenverkehr: „Du darfst nichts berühren“. Die Karte zeigt ganz in der Nähe eine kleine Ankerbucht. Wir machen zur Sicherheit ein paar größere Schlenker um nichts zu berühren und finden, nachdem wir uns geeinigt haben, welche Kardinale (schwarz-gelbes Seezeichen, das vor einem Hindernis warnt) wo hingehört, auch die kleine Bucht. Die kleine Bucht ist komplett voll …

Die Finnen kommen

Nach vier Tagen Riga verlassen wir die Stadt. Ein neuer Hafen, eine neue Stadt ist immer wieder spannend, aber nach der ganzen Pflastertretterei wollen wir auch mal wieder segeln. Gestern und letzte Nacht hat es das erste mal auf unserer Reise geregnet. Heute ist wieder bestes Wetter. Im Hafen ist nichts groß los, ein paar Frachter werden von den Hafenkranen mit Kohle vollgeschaufelt, aber auf dem Wasser ist „tote Hose“. Im Hafenfunk auf Kanal 09 hören wir irgendwas auf Russisch, wir aber „nichts verstehen“.  In Riga gibt es neben dem am Botschaftsviertel gelegenen Stadthafen noch weitere Sportboothäfen. Diese liegen auf der anderen Flussseite und der Weg in die Innenstadt ist deutlich weiter. Wie im Stadthafen ist auch hier nur die Hälfte der vorhandenen Plätze belegt.  Ansonsten wird im Industriehafen fleißig gebaut. Auf einer endlos scheinenden Fläche entsteht ein gigantisches Containerterminal. Die Fahrt durch den Hafen dauert ca. eine Stunde.  Genau in der Hafenausfahrt kommt dann großes Schiff von hinten, hat sich von uns unbemerkt angeschlichen und ist auf einmal da. Großes Schiff vorbei – und …

Motor Teil 2

Wir erinnern uns: Im Motor, oder richtiger im Brennraum, war Wasser, was das Starten doch deutlich behindert. Nachdem wir gestern nach wildem Rumfragen einen Jan genannt und gefunden hatten, sollte heute der Motor gerettet werden. 13 Uhr war verabredet. Bei schönstem Segelwind sitzen wir im Hafen und erledigen viele der kleinen Bauarbeiten die immer schon mal gemacht werden sollten, für die aber nie Zeit ist. Und eine Sicherung wurde beim Yachtausstatter besorgt. Die letzte die vorrätig war. Donnerstag gegen 11.00Uhr kommt Jan in seiner schwarzen Latzhosen und mit dem PKW-Anhänger-Materiallager in den Hafen und beginnt mal an dem einem Boot zu schrauben und mal an dem anderen. Zwischendurch lange Wanderungen zum Hänger und das Eine oder Andere zu holen. 13.00Uhr – ich will nicht drängeln, aber wir hoffen heute noch weiter zu kommen, denn in den nächsten Tagen wird das Wetter ungemütlich und kommt aus der falschen Richtung. Inzwischen ist es 14.00Uhr. Jan hat wieder einen Außenborder belebt und unterhält sich mit dem Eigner. Der Nächste kommt spricht Jan an und ab geht es zum …

Leander mit Fernglas

Der Fang

Die ganze Rithmannschaft ist mit einem Schlag vom Jagdfieber gepackt. Die Anspannung zielt auf einen kleinen Punkt, der Backbord in der Nähe des Tonnenstrichs schwimmt. Bis eben dösten wir noch so vor uns hin. Die Greifswalder Oie kroch an Steuerbord vorbei und wir spinnerten uns lustige Vogel-Flashmob-Geschichten zusammen. Um uns herum keine Welle, kein Wind, kein Verkehr, nur eine laue Abendstimmung. Wir haben aber nach der bewegten Überfahrt noch keine Lust den Motor anzuwerfen, um die südliche Fahrrinne um den Ruden zu nehmen.