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Bilderbuchsegeln in Büllerbü

Montag Morgen gegen vier Uhr, ich döse gerade im Halbschlaf meiner dreistündigen Freiwache, als Annette verkündet: „Ich sehe Land“. Voraus liegt „Öja“. Eine langgezogene Insel der äußeren schwedischen Schären, südlich von Stockholm. Der Blick auf die Karte zeigt ganz viele kleine Steine und ein paar, eher wenige, Seezeichen, die zum überwiegenden Teil aus Kardinalen bestehen. Ansonsten gibt es noch ein Leuchtfeuer und andere Landmarken. Die schwedischen Karten zum Schärengebiet, die wir auf unserem Umweg nach Riga in Karlskrona gekauft hatten, zeigen so viele kleine Punkte, dass ich keine Vorstellung habe, wie man hier, vielleicht noch mit viel Wind, Seegang  und schlechter Sicht, durchkommen kann, ohne an den einen oder anderen Stein zu stoßen. Auch hier gilt Annettes Regel aus dem Straßenverkehr: „Du darfst nichts berühren“. Die Karte zeigt ganz in der Nähe eine kleine Ankerbucht. Wir machen zur Sicherheit ein paar größere Schlenker um nichts zu berühren und finden, nachdem wir uns geeinigt haben, welche Kardinale (schwarz-gelbes Seezeichen, das vor einem Hindernis warnt) wo hingehört, auch die kleine Bucht. Die kleine Bucht ist komplett voll und ein Hafen. Kurz nachdem wir uns in eine letzte kleine Spalte gequetscht haben legen die meisten Boote ab und der Hafen leert sich, bzw. die nächsten Boote kommen. Wir hatten zwar schon davon gehört, dass zur Ferienzeit in Schweden auf dem Wasser alles unterwegs ist, aber bereits am Vormittag einen Platz für die nächste Nacht zu sichern, finden wir doch ein wenig übertrieben. Für den nächsten Tag haben wir uns mit Freunden in einer richtigen Ankerbucht verabredet und segeln das erste Mal durch den mittleren Schärengürtel. 

Die Karten sind gut. Jeder Stein ist eingezeichnet. Um das Ganze noch lesbar zu machen, ist der Maßstab sehr klein, d.h. die Entfernungen, die wir sonst von unseren Karten gewohnt sind, sind jetzt viel kleiner. Ständig muss man umblättern, bzw. die passende Anschlusskarte finden und ungewohnt schnell befindet man sich im nächsten Steinhaufen. Die Logge springt dann ganz unvermittelt von 30 Meter Tiefe auf 3 Meter und an Bord ist Hektik angesagt. Mangels Kartenplotter „plottet“ einer von uns mit dem Kursdreieck auf der Karte mit und der Steuermann versucht die einzelnen Steinhaufen der Kartenabbildung zuzuordnen. So kommen wir gut voran und können erfolgreich alle Hindernisse umrunden. 

Wir haben uns mit Gisela und Philippe in einer Bucht namens „Östermarsfladen“ auf der Insel Nattarö verabredet und treffen sie da nach einem Bilderbuchsegeltag durch eine Astrid – Lindgren – Landschaft. Auch diese Bucht ist gut besucht und der Anker fällt an einem freien Platz. Da alles noch ein bisschen besser geht, legen wir noch zwei mal um und liegen am Ende wieder an unserem ersten Ankerplatz. Aber nur kurz. In der Nacht höre ich auf einmal eine Art Windspiel. Ganz nah. Wir haben aber kein Windspiel an Bord. Ein kurzer Blick durch das kleine Fenster über der Koje zeigt direkt neben uns einen ganz großen Bug. Alle Mann raus Motor an und erst mal weg. An dieser Stelle ist noch anzumerken, dass im Laufe des Abends der Wind immer mehr zugenommen hatte bzw, heftige Böen über die Bucht gezogen sind. Das ist kein Grund, dass der Anker slippt, aber an unserem Anker ist eine kleiner Ankerball an einer ca. 8 Meter langen Leine befestigt. Die Ankertiefe beträgt 10 Meter und der Ankerball zieht am Bügel des Ankers diesen wieder nach oben. Wir haben nur 30 Meter Kette an Bord, aber da wir sonst nicht in dieser Tiefe ankern, war das bisher kein Problem. Meine Bedenken in dieser Hinsicht, die ich hatte, als der Ball unterging, hatte ich mit einem „wird schon gutgehen“ beiseite geschoben. Drei Mal den Anker mit 30 Metern Kette per Hand hochzuholen und wieder zu versenken ist schon Arbeit genug. Nachdem wir in der Nacht wieder zu unserem Ankerplatz zurückgetuckert waren und den Anker mit Ball versenkt hatten, erzählte ich Annette von meiner Ankerball-Auftriebs-Therorie und es fiel der Beschluss: Anker nochmal hoch und Ball ab. Der nächste Morgen begrüßte mich mit Sonnenschein und Muskelkarter. 

 

 

1 Kommentare

  1. Liebe Anette, lieber Peter,

    das ist meiner zweiter Versuch zu kommentieren.

    Wir haben immer mal wieder in das Blog geschaut und freuen uns, dass die Reise so gut läuft.

    Insbesondere nach den Motorproblemen am Anfang.

    Auf unsere Ostseekreuzfahrt Anfang Juli haben wir manchmal Segelyachten gesehen und uns gefragt, ob Ihr es nicht doch seit. Aber ich denk Ihr wart da auf einer anderen Route.

    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg und Spaß,
    Dirk and Family

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