Allgemein, Leben in Bewegung, Sommer_2019
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Ende einer Heimfahrt

RITH an ihrem Liegeplatz in der Marina Schwedt bei strahlendem Sonnenschein

Tagelang immer wieder die Wasserstände der Oder zwischen Stettin und Hohensaaten im Blick gehabt – die sich nach den Regenfällen der letzten zwei Wochen langsam, langsam nach oben bewegten. RITH soll wieder nach Berlin und den Kanal zwischen Westoder und der Schleuse Hohensaaten können wir diesmal nicht nehmen, weil diese Schleuse überholt wird und bis Anfang November geschlossen ist. Aber es gibt ja in Hohensaaten noch eine zweite Schleuse, die, die auf die Oder geht. Und da sind, als wir uns Anfang Oktober auf den Weg machen, alle Werte, die wir im Internet finden können, über zwei Meter – das reicht.

Obwohl es kalt geworden ist, lässt sich die Fahrt ganz gut an. Der für diese Tage vorhergesagte Dauerregen bleibt aus, aber ein kräftiger Nordwestwind treibt uns am Nationalfeiertag so flott vor sich her, dass wir acht Stunden, nach der 9-Uhr-Brückenöffnung in Wieck schon in Swinemünde sind. Ein letztes Mal so richtig schön gesegelt mit RITH. Übers Haff am Freitag läuft der Motor, denn das bisschen Wind, das noch übrig ist kommt von vorn (woran erinnert mich das bloß?).

In Stettin legen wir uns wieder an die Kaikante in der Stadt und bekommen mit dem letzten Tageslicht nicht nur die Segel trocken in die Säcke, sondern auch den Mast gelegt. Der Regen kommt nachts und ist bis zum Morgen wieder abgezogen. Bis wir in Schwedt sind, wird das Wetter zwar nicht wärmer, aber immer besser. Gut gelaunt steuern wir die Schleuse zur Schwedter Querfahrt an. Hier wollen wir raus auf die Oder und dann an der Schleuse Hohensaaten Ost wieder rein in den Kanal. Und hier erklärt uns der Schleusenwärter, dass die Schwedter Querfahrt, ein Verbindungsarm zwischen Oder und Kanal, nur 95 cm Wassertiefe hat. Mist, daran, dass die Querfahrt zu wenig Wasser haben könnte, haben wir nicht gedacht. Müssen wir jetzt zurück nach Stettin, um dort auf die Oder zu fahren? Und in die Schleuse Hohensaaten kämen wir von der Oder aus auch nicht. Wieso, den Pegel haben wir abgefragt: 2,85 m! Ja, die Oder, aber nicht der Verbindungskanal zwischen Oder und Schleuse. Was für ein Verbindungskanal? Ein Anruf bei der Schleuse bestätigt es: Dieser Verbindungskanal, der für uns eben erst Teil der Realität geworden ist, ist zur Zeit nur 105 cm tief. Müßig zu fragen, ob es diesen Kanal schon gegeben hat, als wir das Internet durchforschten, auf der Suche nach Infos über die Wassertiefen und wenn ja, warum alle Seiten, die wir besuchten, so gründlich dicht hielten über seine Existenz.

Um sämtliche Pläne für die nächsten Tage gebracht, steuern wir die Marina Schwedt an, in der wir den letzten freien Platz ergattern, neben anderen Berliner Leidensgenossen. Zwei Stunden später sitzen wir reichlich verdattert in einem Regionalexpress nach Berlin. RITH bleibt bis Anfang November in Schwedt zurück und leider nicht nur sie, sondern auch die Weintrauben, die wir in einer Schüssel im Schrank vergessen haben und von denen wir uns nicht vorstellen mögen, was für Prozesse sie durchgemacht und welche Daseinsform sie erreicht haben werden, wenn wir uns wiedersehen.

 

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