Allgemein, Kaliningradtörn 2016, Segeln
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Eigentlich wollten wir…

… am Freitag ausschlafen. Vielleicht am Abend lossegeln oder am Samstag in der Frühe – das war der Plan. Umgeworfen wurde er zum einen von „Seerolf“, einem freundlichen, etwas wuseligen älteren Segler vom Nachbarboot in Hel (der Spitzname ist von Leander), der mehrfach betonte, es gebe nur ein Wetterfenster am Freitag, für Samstag und Sonntag sei wieder Starkwind vorhergesagt und zum anderen davon, dass sich am Freitag nach dem Frühstück herausstellte, dass Peter die Strecke nach Baltijsk nicht im Dunkeln segeln wollte.

Schauergeschichten von überfahrenen Yachten und schiffsgroßen, unbeleuchteten Tonnen seien der Grund. Da blieb nur eins: los. Den Zoll angefunkt, bei zwei überaus freundlichen polnischen Zöllnerinnen ausklariert, Tee gekocht, aufgeräumt, Rith klargemacht, eine Ermahnung der Zöllnerinnen kassiert (nach dem Ausklarieren möchte man bitte den Hafen verlassen und nicht noch hundert Sachen zu erledigen haben) und am frühen Nachmittag losgesegelt. Auf der Danziger Bucht war es ruhig, ein bisschen zu ruhig, um die Strecke noch bei Tageslicht zu schaffen. Später frischte der Wind auf, kam immer aus der richtigen Richtung und bescherte uns ein schwungvolles Dahingleiten bei mäßiger Welle. Das mit dem Ankommen bei Tageslicht klappte nicht mehr, aber getreu dem Motto „wir erweitern unsere Kreise“ haben wir die Ansteuerung bei Nacht in Angriff genommen und als Dreierteam – Annette an der Pinne, Peter am Fernglas und Leander am AIS / „open seamap“ – auch gut bewältigt. Zum Glück saß am Funkgerät von „Baltijsk Traffic“ nicht, wie letztes Jahr, eine schlecht gelaunte Dame, sondern ein überaus freundlicher Herr, der uns in das Hafenbecken mit der Einklarierungspier geleitete, an der, obwohl es fast Mitternacht war, eine ganze Gruppe von Zöllnern auf uns wartete. Alle hilfsbereit und eifrig um Kommunikation bemüht mit allen verfügbaren Kenntnissen der jeweils anderen Sprache oder Englisch. Guter Wille und Freundlichkeit und damit gleich mal das erste Vorurteil gekippt. Inzwischen war es halb eins, Leander ging ins Bett und Peter und ich machten uns auf den Weg, den Seekanal, der über das frische Haff führt entlang, nach Kaliningrad.

Der Kanal zieht sich, die Sonne ist schon wieder weg

Der Kanal zieht sich, die Sonne ist schon wieder weg

Der Kanal ist 20 Seemeilen lang, aber sehr gut ausgetonnt. Trotzdem dauerte es so lange, ihn mit Rith zu befahren, dass der Hafenfunker von Kaliningrad, bei dem sich alle Schiffe anmelden müssen, irgendwann nachfragte, ob mit uns denn alles in Ordnung sei. Um 5.30 Uhr erreichten wir die fishboat-Marina – diesmal im Hellen, sodass wir keine Schwierigkeiten hatten, Platz 20, der für uns reserviert worden war, zu finden.

Peter und Leander vor der "sanitären Anlage" der "fishboat-Marina"

Peter und Leander vor der „sanitären Anlage“ der „fishboat-Marina“

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