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Die Nacht der langen Messer

Lange Zeit vor Boot und Familie wollte ich mit meinem Oldimer an der Ralley Monte Carlo Callenge teilnehmen. Das ist eine Ralley an der mit alten Autos auf der origninalen Route die legendäre Strecke abgefahren wird. Die „Nacht der langen Messer“ heißt die Nachtetappe bei dieser Ralley und wird als besonders anstrengend beschrieben.

Bei der Überfahrt von Kolberg nach Hel kamen die Erinnerugen an das nie realisierte Ralleyprojekt wieder zurück. Besser vergleichbar war die Fahrt mit einem Seifenkistenrennen auf einem Feldweg mit vielen Schlaglöchern und Dellen, nur dass der „Feldweg“ ein Gefälle von mindestens 16% hatte. Auf den besten Abschnitten surfte Rith mit 7 bis 8 Knoten platt vor Wind und Welle, nur mit dem Großsegel im 2.Reff. Begleitet wurde das Ganze von einer gespannten Wetterlage mit Gewittern und dem dazugehörigen Wind.

Der starke Wind war angesagt worden und wir hatten uns innerlich auf eine unruhige Fahrt eingestellt. Die Thermoskannen wurden gefüllt, die Wachwechsel abgesprochen, alle verfügbaren Wetterberichte gesichtet und verglichen. Als nächter Zwischenstopp war Hel am Eingang zur Danziger Bucht geplant. Ca. 140 Seemeilen, die an zwei Tagen mit einer Nachtetappe erledigt werden sollten. Bei einer entspannten Startzeit von 11 Uhr rechneten wir damit, gegen 17 Uhr am nächsten Tag in Hel anzukommen.

Vom Vortag hatten wir gleich das zweite Reff drin gelassen und die Fock blieb aufgrund des direkten Vorwindkurses auch unten.

Trotz leicht abgeflauter Welle in der Hafeneinfahrt, war voller Motoreinsatz gefragt, um rauszukommen. Mit viel Bug-in-die-Welle-drücken und Propeller-in-der-Luft-drehen-lassen waren wir dann endlich draußen. Der Schwell vom Vortag hatte noch eine 1,5m Welle stehen lassen, die wie so oft leicht seitlich kam und bei mäßiger Fahrt alles noch mal durchschüttelte. Da wir aber auch so knapp fünf Knoten Fahrt machten verzichteten wir darauf das zweite Reff auszuschütten. Alles sah nach einem sonnigen Segeltag und einer sternenklaren Nacht aus. Im letzten Jahr sind wir die Strecke bei glatter See und einschlafendem Wind gefahren. Immer in Sichtweite des Ufers mit den vielen Windrädern, die nachts ein blinkendes Band der Uferlinie bilden.

Diesmal war es anders. Mit einsetzender Dämmerung zog sich von achtern der Himmel zu. Die Nacht kam mit hoch aufgetürmten Gewitterwolken heran. In der Ferne grummelte es. Wir versuchten den Gewittern auszuweichen, was aber nicht wirklich gelang. Letzendlich hatten wir mit unserer Position noch Glück. Die eine Front zog links an uns vorbei und die andere rechts. Und über uns die Sterne. Nachts verliere ich auf dem Wasser immer das Gefühl für Entfernungen. Wie dann auf beiden Seiten die Regenwände runter gingen hatte ich das Empfinden, wie auf einem Binnensee mit dichten Wäldern an den Ufern zu segeln.

Die Gischt der Bugwelle wurde durch das grüne Positionslicht ausgeleuchtet und hinten quirlte das Wasser im Licht des Hecklichtes. Kaum Pinnendruck zeigte, dass die Wahl des zweiten Reffs zu den Böen mit bis zu 7 Beaufort passte.

Dass es uns doch irgendwann erwischen würde, war klar, aber im großen und ganzen sind wir trocken durchgekommen.

Mit dem ersten Morgenlicht gab es dann noch ein dramatisches Wolkenschauspiel. Eine bis zum Wasser reichende Windhose direkt vor uns, jedoch zum Glück in großer Entfernung. Und ausgedehnte Böenkrägen an einer von Steuerbord herannahenden Front. Aufgrund der Wasserhose haben wir dann nochmal abgedreht um uns die Wellen in der entgegengesetzten Richtung anzusehen. Annette meinte noch, da hinten ist ein Fischerboot, das in den Wellen schaukelt. Beim Vorbeifahren war es ein ausgewachsenes KüMo mit ca. 100m Länge, das die Wellen hoch und runter schaukelte.

Kurz vor der Einfahrt in den Hafen Hel zeigte uns Rasmus aber nochmal, dass das auf dem Wasser nicht nur Spass ist. Zum Abchluss gab es nochmal richtig was auf die Mütze mit viel Wasser und Wind, sodass wir uns mit unserem 2.Reff gut übertakelt vorkamen und auch der zur Verstärkung eingesetzte Motor nur ein langsames Vorankommen ermöglichte.

In Hel sind wir dann ca. 3 Stunden vor der errechneten Ankunftszeit angekommen.

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