Kaliningradtörn 2016
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Szenenwechsel

Ausflugsschiff, dessen Bug in der Hafeneinfahrt von Kolobrzeg vollständig in einer Welle verschwindet

Ein sanfter Wind schiebt uns die pommersche Küste entlang in Richtung Nord-Osten. Kaum sind wir unterwegs, bringen die Funkstationen Witowo- und Lyngby-Radio Starkwindwarnungen. – ??? – Über uns strahlt ein blauer Himmel und der Wind nimmt gegen Mittag eher ab als zu. Eine sanfte Welle von hinten, bei der wir sogar unter Deck lesen können, ohne dass uns schlecht wird.

Leander am Steuer und Peter liegend auf der Bank in der Plicht

so beginnt der Tag…

Die Stimmung, die von den Warnungen ein bisschen getrübt worden war, löst sich mit dem Fortschreiten des Tages immer mehr. Noch 10 Meilen bis Kolobrzeg / Kolberg. Es ist später Nachmittag, Leander hat es sich an der Pinne (Steuer) gemütlich gemacht, hört Musik und blödelt mit Peter, der auf der Bank neben ihm lümmelt. Sie geben sich ihrer Lieblingsbeschäftigung hin: Wortspiele erfinden und sich gegenseitig in immer neuen Variationen überbieten.

Da ist es auf einmal, als hätte jemand eine andere Kulisse vor den Himmel geschoben und einen Schalter umgelegt. Wie aus dem Nichts pfeift es uns um die Ohren. Aus Leanders kleiner mobiler Box klingt noch der “Sommer“ aus den „Vierjahreszeiten“ von Vivaldi, während Leander damit kämpft, Rith mit dem Bug im Wind zu halten und Peter und ich versuchen, das Großsegel zu bändigen und das dritte Reff einzubinden.

Peter am Steuer, Leander daneben bei schlechtem Wetter

…und so endet er

Die letzten zwei Stunden dieses Segeltages sitzen wir angeleint und in Ölzeug verpackt in der Plicht, schaukeln unserm Ziel entgegen und fragen uns, ob die Welle nicht direkt in den Hafen hineinzielt, wo sie auf die auslaufende Strömung des Flusses trifft, und wie wir es schaffen sollen, dort heil hineinzukommen.
Wie vom Hafenhandbuch empfohlen, melden wir uns über Funk an. Ein sehr charmanter

Welle, die auf das Heck von Rith zuläuft

einer von vielen Versuchen, eine hohe Welle zu fotografieren – sie sehen auf den Fotos einfach nicht so hoch aus, wie sie sind.

Hafenkapitän ermuntert uns – nur zu, kommt herein, es ist alles gut. Vor dem Hafen steht eine Grundsee, mit Wellen, die doppelt so hoch sind, wie die, mit denen wir es gerade zu tun haben. An so etwas sind wir nicht gewöhnt. Genau in der Einfahrt treffen wir auch noch auf ein Ausflugsschiff, dessen Bug unter dem Juchzen der Urlauber komplett im Wellental verschwindet. Ich möchte gerne Fotos machen, aber ich muss mich die ganze Zeit festhalten, während Peter Rith durch diese Wellen-Schwelle steuert und dafür sorgt, dass wir nicht auf die östliche Mole knallen, an der die heranrauschenden Wellen meterhoch aufspritzen. Was für eine Erleichterung, als wir sicher im Hafen liegen.

Die "Morast-Redoute", Teil der Hafenbefestigung aus dem 18. Jh.

Die „Morast-Redoute“, Teil der Hafenbefestigung aus dem 18. Jh.

Band, die in der Morast-Redoute auftritt

Drinnen spielt eine Band und es wird getanzt

1 Kommentare

  1. Marianne Uredat sagt

    Hallo an die Besatzung der RITH, es macht Spaß euren Bericht zu lesen. Anette kann nicht nur gut erzählen, sie kann auch mit Leichtigkeit schreiben. Ich kenne das aus Erfahrung, das man von den Bildern eines hohen Wellenberges etwas enttäuscht ist, leider gibt es noch keine 3D-Fotos. Wenn man aber euren Heckkorb mit dem Wellenkamm vergleicht ist der Unterschied zu erahnen. Ich wünsche Euch weiterhin noch viel Spaß im Urlaub und Freude am Segeln auf hoher See. Es grüßt Euch Marianne (WSV)

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